Weltbild Insolvenz: Pleite des katholischen Kirchenverlags hausgemacht?

Weltbild ist pleite: Die Holding der katholischen Weltbild Verlagsgruppe hatte überraschend am Freitag, den 10. Januar 2013 Insolvenz beim Amtgsgericht Augsburg angemeldet, nachdem die Gesellschafter des Weltbild Verlags, namentlich der Verband der deutschen Diözesen und die Militärseelsorge sowie zwölf deutsche Bistümer weitere finanzielle Zuschüsse in Millionenhöhe zur Unterstützung der angeschlagenen Weltbild Verlagsgruppe abgelehnt hatten. Die katholische Kirche weist Kritik an ihrem Umgang mit dem insolventen Weltbild Verlag zurück und wehrt sich gegen die Vorwürfe, die Pleite des Augsburger Verlags fahrlässig verursacht zu haben, obwohl es ein offenes Geheimnis ist, dass sich die Kirche schon seit längerem von Weltbild trennen wollte, da der Verlag neben FSK 18 auch Erotik- und Esoterikartikel in sein Angebot aufgenommen hatte.

Kirche, Schulden und Erotikangebote beim insolventen Weltbild Verlag

Weltbild Verlag stellt InsolvenzantragNun stellt sich aber nicht nur für die betroffenen Mitarbeiter die Frage, warum es trotz massiverr kirchlicher Unterstützung nicht gelungen sei, ein Unternehmen vernünftig zu führen, denn immerhin hat Weltbild in Deutschland einen Marktanteil von knapp 20% im Buchhandelsgeschäft und ist somit nach Amazon sogar die Nummer Zwei. Zu Weltbild Verlagsgruppe gehören unter anderem noch: Jokers.de sowie Kidoh.de und Bücher.de.

Die Gewerkschaft geht davon aus, dass die Weltbild Insolvenz sei eher aus kirchenpolitischen als aus wirtschaftlichen Gründen angemeldet worden sei und konservative Kirchenkreise in der Vergangenheit ganz bewusst versucht hätten, den kirchlichen Medienkonzern zu zerschlagen. Diese Vorwürfe wurden bisher natürlich von Vertretern der katholischen Kirche zurückgewiesen.


Wird der Weltbild Verlag genauso abgewickelt wie Schlecker?

Wie es mit Weltbild und vor allem den 6000 Mitarbeitern nun weitergeht, liegt wohl in den Händen des Insolvenzverwalters Arndt Geiwitz, welcher übrigens auch schon die Schlecker Insolvenz abwickeln durfte und hier die Presseerklärung zum Insolvenzantrag der Weltbild Verlagsgruppe im Originaltext:

Verlagsgruppe Weltbild GmbH stellt Insolvenzantrag – Geschäftsbetrieb wird fortgesetzt


  • Umsatz- und Ergebnisverluste aus dem 1. Halbjahr (Juli-Dezember)
  • Höherer Finanzierungsbedarf bis zur Erreichung der Sanierung über die nächsten drei Jahre als erwartet
  • Finanzierung konnte in der notwendigen Zeit nicht dargestellt werden
  • Antrag für die Weltbild GmbH auf Insolvenz unvermeidlich

Die Geschäftsführer haben heute beim Amtsgericht Augsburg die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens für die Verlagsgruppe Weltbild GmbH beantragt. Ein wesentlicher Auslöser hierfür war der Umsatzrückgang des ersten Halbjahres des Geschäftsjahres 2013/14 (Juli-Dezember), obwohl der Dezember über Planniveau lag. Das auch für die nächsten drei Jahre erwartete geringere Umsatzniveau verdoppelt den Finanzierungsbedarf bis zur Sanierung. Gestern hat sich entgegen der Erwartung der Geschäftsführung heraus gestellt, dass die notwendige Finanzierung nicht zur Verfügung stehen wird. Aus diesem Grunde und dem damit verbundenen Wegfall der Fortführungsprognose war zum Bedauern der Geschäftsführung eine unverzügliche Antragstellung unausweichlich. Der Geschäftsbetrieb soll in Abstimmung mit dem vom Gericht bestellten vorläufigen Insolvenzverwalter, Herrn Wirtschaftsprüfer Arndt Geiwitz von Schneider Geiwitz & Partner fortgeführt werden… (via)

Nach übereinstimmenden Medienberichten beläuft sich der aktueller Schuldenberg des Weltbild Konzerns auf etwa 190 Millionen Euro und nun bangen etwa 6000 Mitarbeiter um ihre finanzielle Zukunft und alleine in Augsburg stehen 2000 Arbeitsplätze auf der Kippe. Etwa 50% der Weltbild Mitarbeiter sind bei der Tochter DBH Buch Handels GmbH & Co. KG angestellt, welche die die klassischen Buchläden betreibt. Die DBH gehört zu gleichen Teilen Weltbild und der Familie Hugendubel, wobei der Fortbestand der Hugendubel Filialen wohl weiterhin gesichert sein soll.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.