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Pornopranger der Kanzlei U+C: Namen von Porno Raubkopierern im Internet?


Porno Filesharer am Pranger? Die Kanzlei Urmann und Collegen, vielen besser als Abmahnanwalt U+C aus Regensburg bekannt, ist seit geraumer Zeit leider erfolgreich als Massenabmahner tätig und vertritt unter anderem Größen der Pornoindustrie und klagt munter gegen mehrere tausend böse „Raubmordkopierer“, die es eventuell gewagt haben könnten, urheberrechtlich geschützte Werke illegal aus dem Netz gezogen zu haben. Nun will die Kanzlei Urmann und Collegen eine „Gegnerliste“ im Internet veröffentlichen, bei der nach Angaben der Abmahnanwälte eine Auswahl von Gegnern aus offenen Mandatsverhältnissen zur Schau gestellt wird. Da die Kanzlei jedoch bundesweit als treuer Abmahnanwalt der maroden Pornoindustrie bekannt ist, fürchten nun Abmahnopfer, ihren Namen am „Pornopranger“ zu finden…

Pornopranger für eine eventuelle Urheberrechtsverletzung im Internet

Nach Medienberichten sollten bis zu 150000 Namen von Personen im Internet veröffentlicht werden, gegen die seitens der Kanzlei U+C aus Regensburg vorgegangen wird und nach Ansicht vieler Rechtsexperten ist dieses Vorhaben der Kanzlei Urmann und Collegen extrem umstitten, da es unter anderem nicht auszuschließen ist, dass vollkommen unschuldige Bürger ihren Namen an diesem Pornopranger lesen dürfen.

Mir persönlich erschließt sich der Sinn eines Porno Downloads via Filesharing sowieso nicht so ganz, denn schließlich gibt es hunderte von Portalen, auf denen sich die „einhändigen Surfer“ vollkommen kostenlos mit einschlägigen Videostreams versorgen können und mir will doch niemand wirklich erzählen, dass er einen Pornofilm (wohl wegen der Dialoge) unbedingt dezentral archivieren will – oder?

Angeblich sind unter den Abmahnopfern der Kanzlei U+C auch Botschaften sowie Polizeibehörden und Pfarrämter, was einer Veröffentlichung am sogenannten Pornopranger wiederum eine besondere Würze gibt, aber auch wenn sich die Abmahnanwälte der Kanzlei Urmann und Collegen auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts berufen, welches die Veröffentlichung einer Gegnerliste unter gewissen Voraussetzungen gestattet, so bezieht sich dieses wohl ausschließlich auf den gewerblichen Bereich… aber ich bin kein Jurist und verweise an dieser Stelle lieber auf die Stellungnahmen wirklich guter Rechtsanwälte zum Thema Pornopranger im Internet:

Pornopranger der Kanzlei U+C in der öffentlichen Kritik

„…die Ankündigung der Regensburger Massenabmahner betrifft das Persönlichkeitsrecht derartiger Gegner in ihrer Privat-, wenn nicht gar Intimsphäre. Damit ist allerdings dann eine ganz andere verfassungsrechtliche Abwägung verbunden, als bei Unternehmen. Die gezielte Erzeugung einer derartigen Prangerwirkung ist nicht nur zivilrechtlich unzulässig, sondern dürfte sich auch strafrechtlich zumindest im Grenzbereich zur Nötigung bewegen…“ (via: internet-law.de)

„…ich gehe davon aus, dass die Veröffentlichung persönlicher Daten mutmaßlicher Filesharer rechtswidrig ist. Wenn ein Anwalt eine Firma oder einen Prominenten als „Gegner“ nennen kann, hat das einen Informationswert. Der Name und ggf. die Adresse eines Bürgers, der nicht im Licht der Öffentlichkeit steht, lässt dagegen überhaupt keinen Rückschluss auf die Tätigkeit oder gar die Qualität des Anwalts zu…“ (via: lawblog.de)

„… zwar hat das BVerfG in seiner Entscheidung ausgeführt, mit der bloßen Nennung in der Gegnerliste sei kein „Makel des Unlauteren“ verbunden. Mag diese Beurteilung grundsätzlich zutreffend sein, so stellt sich die Sachlage aber zumindest dann völlig anders dar, wenn Privatpersonen auf einer Gegnerliste zu finden sind, welche den angeblichen Konsum von pornographischen Filmen betrifft…“ (via: anwalt24.de)

„…darüber hinaus ist die Angabe der Gegnerliste in Filesharingfällen durchaus mit Vorsicht zu genießen. Die Abmahner kennen auf Grund der Auskunft der Provider immer nur den Anschlussinhaber, nicht den Täter. Auf Grund der Rechtsprechung der Gerichte, angefangen vom AG München bis hoch zum BGH haften diese meist nur als “Störer” nicht als Täter. Störer ist die Person, die willentlich adäquat zum Taterfolg beigetragen hat, etwa weil er den Zugang zum Internet vermittelt hat. Die Störereigenschaft sagt aber gar nichts darüber aus, ob der Anschlussinhaber auch tatsächlich selber die Dateien heruntergeladen hat…“ (via: anwalt24.de)

Pornopranger und Massenabmahnungen der Kanzlei U+C

Vielleicht wollen aber auch nur die bekannte Abmahnanwälte von U+C aus Regensburg eine publikumswirksame und kostenlose Webemaßnahme  durchführen und übersehen dabei eine mögliche Verletzung des Persönlichkeitsrechts der Betroffenen, zumal eine (wie auch immer) ermittelte IP nicht zwingend einen Urheberrechtsverstoß begründet.

Wie oft wird bitteschön die schlecht gesicherte WLAN Verbindung des Nachbarn für Filesharing missbraucht, oder die Ermittlung der IP-Adresse beinhaltet fragwürdige und fehlerhafte Methoden der Abmahnindustrie, welche letztendlich mit Massenabmahnungen ein sehr lukratives Geschäftsfeld erschlossen hat und seitens der Politik immer noch nicht an die kurze Leine genommen wurde?

Ich persönlich halte das Vorhaben der Kanzlei Urmann und Collegen für ausgesprochen fragwürdig, aber wahrscheinlich bewegen die Abmahnanwälte der Pornoindustrie somit einige säumige Schuldner zur Zahlung der Abmahngebühren und Unterzeichnung der mitgeschickten Unterlassungserklärung, ohne diese vorher vom eigenen Anwalt modifizieren zu lassen. Mal  sehen, wie viele Beschuldigte im Nachhinein Klage gegen die Kanzlei U+C einreichen. Ich bin auf jeden Fall gespannt, ob Urmann und Collegen tatsächlich diesen Schritt wagen und werde weiter über den sogenannten Pornopranger berichten…

Achso, liebe Kanzlei U+C aus Regensburg: im Gegensatz zu anderen Berichten zu Ihrer fragwürdigen Aktion, werden wir natürlich keinen Link zu Ihrer Webseite setzen, denn Sie sammeln bereits so viele Backlinks, dass man hier auch von einem geplanten Linkbashing ausgehen könnte…

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