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Nationales Cyber-Abwehrzentrum NCAZ offiziell in Bonn eröffnet

10 Mann gegen Hacker Angriffe: Unser lieber Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich hat heute um 13.00 Uhr offiziell das deutsche Nationale Cyber-Abwehrzentrum in Bonn eingeweiht, welches sich in Zukunft wohl um die digitale Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland kümmern soll. Das Cyber-Abwehrzentrum (NCAZ) hat seine Arbeit übrigens schon Anfang April  unter Ausschluss der Öffentlichkeit aufgenommen und wurde heute nur für die Medien offiziell eröffnet.

Bereits vor der Eröffnung am heutigen Donnerstag, den 16.06.2010 warnte Innenminister Friedrich vor einer wachsenden Gefahr von möglichen “Angriffen auf die Strom- und Wasserversorgung über das Internet” und schwimmt mit dieser Aussage wunderbar auf der aktuellen Welle der Hacker-Paranoia mit.

Cyber-Abwehrzentrum schützt offiziell mit 10 Mann die Bundesrepublik

Warum in diesem futuristisch klingenden Cyber-Abwehrzentrum offiziell gerade einmal 10 Mitarbeiter aus dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik sowie, dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe sowie dem Verfassungsschutz tätig sein werden, weiß wohl nur der Innenminister selbst und über die detaillierte Mitwirkung von Geheimdiensten oder sogar der Bundeswehr beim NCAZ, wurde der Presse heute nichts mitgeteilt.


Hier ein Auszug aus der heute veröffentlichen Presseerklärung des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zur Eröffnung des NCAZ in Bonn:

“…um Informationsinfrastrukturen erfolgreich vor Angriffen zu schützen, setzen wir auf Prävention, Reaktion und Frühwarnung. Wir tun dies schon seit etlichen Jahren durch unterschiedliche Maßnahmen und Initiativen für Bund, Wirtschaft und Bürger. Die Angriffe werden jedoch zunehmend komplexer und orientieren sich naturgemäß nicht an der Zuständigkeit einzelner Behörden. Deshalb ist die Etablierung des Nationalen Cyber-Abwehrzentrums ein wichtiger Schritt, um die Cyber-Sicherheit in Deutschland voranzutreiben…” (Quelle: bsi.bund.de)


Die offizielle Tätigkeit des Cyber-Abwehrzentrums in Bonn besteht übrigens nur darin, sich bei einem Angriff aus dem viel beschworenen Cyberspace schnell ein Lagebild zu verschaffen und den möglicherweise zuständigen Behörden und Unternehmen Ratschläge auf eine entsprechende Reaktion zu geben.

Kritik an den möglichen Tätigkeitsfeldern des NCAZ in Bonn

Kritiker sehen in der Schaffung dieser neuen Behörde zu Recht eine politische Problematik, denn das Cyber-Abwehrzentrum ist streng genommen eine Einrichtung, die ohne Beteiligung des Parlamentes von der derzeit amtierenden Bundesregierung gegründet wurde.

Hier stellt sich dann natürlich die Frage, welches demokratische Gremium die Arbeit dieses Nationalen Cyber-Abwehrzentrums überwacht, denn bei dieser Konstellation ist das im Grundgesetz verankerte Trennungsgebot zwischen polizeilicher, militärischer und nachrichtendienstlicher Tätigkeit definitiv verletzt worden.

Wir erinnern uns vielleicht noch an die Aussage des ehemaligen Bundesinnenministers Thomas de Maizière, der öffentlich verkündete, dass eben diese Vermischung polizeilicher und nachrichtendienstlicher Tätigkeiten nicht in Frage komme. Schon komisch, wie schnell sich in diesen Tagen die Rechtsauffassung unserer Politiker ändern kann…

3 Antworten

  1. Elias sagt:

    Wow – 10 Mann gegen so viele existierende Hacker – eine echte Herausforderung.
    Die Frage ist doch wirklich, wo die virtuelle Welt irgendwann einmal hin führen wird – ich meine das ist ja alles echt hilfreich und genial, aber bei dieser Undurchsichtigkeit kann man schon ein wenig Angst bekommen.

  1. 16. Juni 2011

    […] zum Cyber-Abwehrzentrum: Verfolgt man so die Kommentare zum heute eröffneten nationalen Cyber-Abwehrzentrum, so könnte man davon ausgehen, dass ein Großteil der Netzgemeinde für diese neue Institution der […]

  2. 14. Juli 2011

    […] wenn die Medien zum Thema Hacker immer nur stereotyp über angeblich “kriminelle Cyberterroristen” berichten, ist das Chaos Communication Camp mittlerweile zu einer festen Größe in der Community […]

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