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Computerspiele sind Werzeuge des Satans…

Gesellschaft im Eimer, Computerspiele sind schuld: Wie nach jedem Amoklauf irgendwo auf dieser Welt, haben unsere Damen und Herren Politiker natürlich auch gleich wieder den Schuldigen ausgemacht und blasen zur Abwechslung mal wieder zum großen Hallali auf die “bösen Computerspiele”.

War es früher die angeblich entartete Kunst oder etwas später die versteckten Botschaften des Teufels in der Rockmusik und danach die ach so bösen Horrorfilme, die Regierenden finden immer schnell einen Sündenbock, um von ihrem eigenen Versagen und der Kapitulation einer in sich pervertierten Gesellschaft abzulenken.

Auch die reißerische Berichterstattung über “süchtig machende Computerspiele” bei Jugendlichen in den letzten Tagen wird wohl einen Teil dazu beitragen, dass irgendwann auch Otto Normalverbraucher die Wurzel allen Übels in der Technik und den neuen Medien sieht und so geraten nicht nur die angeblichen Killerspiele, sondern auch Titel wie Word Of Warcraft ins Visier der neuen Inquisition.


“…hat die niedersächsische Sozialministerin Ross-Luttmann den suchtgefährdenden Spielen den Kampf angesagt. Das Ziel sei, Programme wie das Online-Rollenspiel “World of Warcraft” künftig für Jugendliche zu verbieten…”
(Quelle und Originaltext: heise.de)

Suchtgefahr und angebliche Risiken der Computerspiele:

Vielleicht könnten die Medien auch darüber berichten, dass man auch Killerspiele, teuflische Heavy Metal Musik sowie Horrorfilme und Pornobildchen auch auf Computern von Nobelpreisträgern, Spitzensportlern und auch ganz normalen Bürgen finden könnte, ohne dass sich demnächst ein neuer Amoklauf ankündigt, aber das lässt sich wahrscheinlich nicht zu gut verkaufen und würde ja die Ursachenforschung vielleicht erschweren und Politiker lieben ja bekanntlich einfache Lösungen für komplexere Probleme…


Hier die schönsten Artikel zum neuen/alten Lieblingsfeind der Presse:

“…auf Platz eins bis drei der beliebtesten Spiele wählten die befragten Jungen First-Person-Shooter. Spiele also, in denen sie selbst in die Rolle der Spielfigur schlüpfen und dann so viele Gegner töten, wie sie können. Das beliebteste Spiel mit 27-prozentiger Zustimmung unter den männlichen Befragten: „Counterstrike“. Das gleiche Spiel, das auch im Zimmer von Tim Kretschmer (†17), dem Amokläufer von Winnenden, gefunden wurde…”
(Quelle und Originaltext: bild.de)

Und Lee Harvey Oswald hat am Morgen des 22.11.1963 wohl auch erst “Doom” und “Counterstrike” gespielt, bis er sich nach einer anderen Beschäftigung umgesehen hat…

“…Jugend am Bildschirm: Fast jeder dritte 15-Jährige verbringt drei Stunden pro Tag mit Computerspielen. Gefährlich: Online-Games wie “World of Warcraft”. Auch beim Amokläufer fand man Gewaltspiele…”
(Quelle und Originaltext: sueddeutsche.de)

Bis jetzt war ich ja bekennender Leser der Süddeutschen Zeitung, aber WOW als gefährlich zu bezeichnen…? Kennt der Autor dieses Artikels überhaupt Computerspiele?

“…die Auswertung des Rechners von Tim K. habe ergeben, dass der 17-Jährige am Dienstagabend gegen 19.30 Uhr das Spiel “Far Cry 2” startete und den PC gegen 21.40 Uhr ausschaltete, berichtet “Der Spiegel” unter Berufung auf Ermittler. In dem Spiel gehe es darum, in einem fiktiven afrikanischen Land einen berüchtigten Waffenhändler auszuschalten. Auch die Killerspiele “Counter-Strike” und “Tactical Ops” seien auf dem Rechner gefunden worden…”
(Quelle und Originaltext: dw-world.de)

Es grenzt wohl an ein Wunder, dass zufällig zwei der bekanntesten und gut verkauften Spiele auf dem PC eines Heranwachsenden gefunden werden. Aber wenn es sich hierbei um Produkte handelt, die seitens der Herstellers oder der USK keine Jugendfreigabe haben, ist es wohl kaum die Schuld der Spieleindustrie, wenn die Erziehungsberechtigten ihrer Aufsichtspflicht nicht nachkommen…

Aber es scheint noch Licht am Ende des Tunnels zu geben, denn der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann hat sich ebenfalls im Hinblick auf die drohende Zensurwelle bei Computerspielen geäußert – und vielleicht fangen jetzt auch unsere Politiker an, ihren Kopf auch mal zum Denken zu benutzen!

“…Jetzt meldet sich der Deutsche Kulturrat zu Wort und veröffentlicht kostenlos im Internet ein Buch, das sich mit Computerspielen auseinandersetzt. “Statt einer Verbotsdebatte steht nach den schrecklichen Ereignissen von Winnenden dringend eine Bildungsdebatte an”, fordert Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates. Der Kulturrat – Spitzenverband der Bundeskulturverbände – ist gegen eine Verschärfung der Jugendschutzgesetze und für eine konsequente Durchsetzung der bestehenden Regelungen…”
(Quelle und Originaltext: golem.de)

Was passiert, wenn eine vereinsamte Rentnerin im örtlichen Billigmarkt Amok läuft? Werden dann endlich Sendeformate wie “Unter uns”, “Gute Zeiten schlechte Zeiten” und das “Festival der Volksmusik” verboten? Achja: Kaffefahrten, Erdbeertorte und Eierlikör sollen angeblich auch schon auf der Liste der Zensurbehörden stehen… (nt)

1 Antwort

  1. Kandit sagt:

    Leider muss man feststellen, dass die Personen, welche Computerspiele(Egoshooter) verunglimpfen, wahrscheinlich keine zehn Minuten in ihrem Leben diese Spiele mal gespielt haben.

    Im Ernst: da faseln die Leute über Sachen, von denen sie keine Ahnung haben.
    Andererseits sind Heranwachsende gezwungen den Militärdienst zu absolvieren. Da müssen sie lernen, wie man mit echten Waffen schießt, Granaten scharf macht und viele Greueltaten mehr. Also echte Kriegsspiele müssen vom Gesetzgeber ausgeführt werden. Schizophrener Unsinn!!

    Weitaus gefährlicher als alle Ballerspiele ist doch der Schäuble. Den Mann betrachte ich als ernsthafte Bedrohung. Da passiert aber nix!?

    Gruß KANDIT

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